Die Verbindungsbahn Aachen – Ronheide – Buschhausen (ehemalige L 24A)

Die während des 1.Weltkriegs gegen Belgien und Frankreich erbaute Strecke von Aachen-West bis Tongeren über Montzen und Hombourg sollte auch vom Aachener Hbf aus erreichbar sein und mit Personenzügen befahren werden können, weshalb man später eine von der heutigen L37 (nach Lüttich) abgehende Stichstrecke von Ronheide nach Buschhausen anlegte. Ein weiterer Grund war der, das zeitaufwendige Kopfmachen der von Köln kommenden Züge in Aachen-West zu umgehen. Am 21.Juni 1915 lag beim Aachener Regierungspräsidenten ein Entwurf für eine Verbindungsstrecke von Aachen Hbf zum Gemmenicher Tunnel vor, der zuvor durch die KED Cöln (Königliche Eisenbahn-Direktion Köln)  eingereicht worden war. Aufgrund reichlicher Einwendungen gegen dieses Projekt wurde der Plan zu dieser Verbindung verworfen. Am 28.Oktober 1915 stellte die KED Cöln dem Aachener Regierungspräsidenten einen zweiten Entwurf vor, der nun eine Verbindung von Ronheide in Richtung Tongeren vorsah. Dieser Entwurf fand bald die erhoffte Konzession und wurde durch Befehl des Chefs des Feldeisenbahnwesens am 28.November 1915 als Bestandteil der Strecke Aachen-West - Tongeren durchgeführt.

Gebaut wurde eine 5,1 km lange, zweiglesige Strecke durch den Preußwald von der Firma Lenz & Cie., Berlin. Große Erdbewegungen und tiefe Einschnitte am Südrand des Stadtwalds von Aachen waren zum Bau der Strecke von Nöten. Damit eine niveaugleiche Kreuzung zwischen Haupt - und Verbindungsbahn ausgeschlossen werden konnte, musste ein Kreuzungsbauwerk hinter dem Buschtunnel errichtet werden, welches das Herbesthaler Gleis über die neue Eisenbahnlinie überwarf. Die neue Trasse musste in unmittelbarer Nähe die Lütticherstraße mittels einer Brücke überqueren, die auch heute noch existiert. Die Durchfahrt der errichteten Brücke wurde durch ein Mauerwerk für Straßenbahnen und den öffentlichen Verkehr geteilt.

Abb.: © Lucas Böckmann, Die Brücke über der Lütticherstrasse (Stand: 06.08.2008)

Vor der Einfädelung in die bereits erwähnte Strecke nach Tongeren passierte die Stichstrecke zuvor noch das an der „rue de la calamine“ - der Hauptstraße von und nach Kelmis - liegende in drei Etagen erbaute Kreuzungsbauwerk, welches gerade durch diese Etagen eine niveaugleiche Kreuzung der beiden Bahnen ausschloss. Auch der Straßenverkehr konnte die Eisenbahnlinien völlig ungefährdet unterfahren. Während auf der oberen Etage noch heute die Streckengleise von Aachen-West in Richtung Montzen verlaufen, verlief bis 1969, eine Etage tiefer liegend, die Stichstrecke von und nach Ronheide. Das Kreuzungsbauwerk diente nebenbei auch als Turmbahnhof. Beide Etagen wurden durch ein Treppensystem und einen Verbindungsgang mit einander verbunden. Ein seperater Treppenaufgang führte von der Straßenseite zum Verbindungsgang.

Der Eisenbahnbetrieb auf der Verbindungsbahn wurde am 25.März 1918 aufgenommen. Bis ins Jahr 1942 passierten allerdings nur Güterzüge das Kreuzungsbauwerk. Am 4.Mai 1942 wurde schließlich der Personenverkehr auf der Strecke Aachen Hbf - Ronheide - Montzen in Betrieb genommen und wenige Monate später erst, am 02.November 1942, der Haltepunkt Buschhausen für den Personenverkehr freigegeben. Die Einstellung des Güterverkehrs erfolgte am 05.08.1968. Es dauerte nicht lange bis die Arbeiten am Trasseabbau begannen.

Den Verlauf der heute abgebauten Strecke kann man per Satelitenbild sehr gut nachvollziehen. Das Internet bietet dazu einige Möglichkeiten sich ein Bild davon zu machen. Die ehemalige Trasse dient heutzutage zum Teil als Wanderweg.

 

Auszüge aus den Deutschen Kursbüchern der Deutschen Reichsbahn

Zug Nr 3200

Klasse 3

 km Bahnhof/HaltepunktUhrzeit
 15,0 Aachen Hbf
 ab 6.20
 6,7 Buschhausen 6.34
 2,6 Montzen 6.40
 1,6 Hindel 6.44
 0,0 Hombourg an 6.47

(gültig vom 2.November 1942)

 

Zug Nr 3207

Klasse 3

km
 Bahnhof/Haltepunkt Uhrzeit
 0,0 Hombourg ab 19.15
 1,6 Hindel
 19.19
 2,6 Montzen 19.25
 15,0 Aachen Hbf
 an 19.42

(gültig vom 4.Mai 1942)

Mein besonderer Dank gilt Martin Baumann aus Düsseldorf, der mir u.a.Fahrplanauszüge zur Verfügung stellte

 

Quellenangaben:

Hans Schwers & Henning Wall: Eisenbahnen rund um Aachen, Schwers + Wall, Aachen, 1993

Lutz-Henning Meyer: 150 Jahre Eisenbahnen im Rheinland, J.P. Bachem Verlag, Köln 1989